IMG_2098
IMG_5142

Mein Job bei der AS Eupen: Trainerin der der Panda Women P2 Anne Krickel

Welche Jobs gibt es bei der AS, wer arbeitet hier und wie sieht der berufliche Alltag der Personen aus, die eher im Hintergrund wirken, deren Arbeit für den Verein jedoch unabdingbar ist?

All diesen Fragen widmen wir uns in unserer Reihe „Mein Job bei der AS“.

Hier stellen wir unsere Mitarbeiter und ihre Arbeitsbereiche vor und werfen einen Blick hinter die Kulissen des einzigen Profi-Fußballvereins der Region.

IMG_5142

HEUTE IM PORTRÄT

Name: Anne Krickel
Alter: 36

Funktion: Coach Panda Women P2 

Hobbies: Fußball und Camping

Im Verein seit: 2024

Um einen Blick auf ihre ehemalige Heimspielstätte erhaschen zu können, muss der in Kelmis ansässige Berichterstatter an diesem Nachmittag nicht weit laufen. Ganz in der Nähe des Zentrums von Kelmis befindet sich das Prinz-Philippe-Stadion, das zweitgrößte Fußballstadion der Deutschsprachigen Gemeinschaft.

Bis Mitte 2024 konnte man Anne Krickel hier regelmäßig antreffen, galt sie doch als das Gesicht der kurz vor der Corona-Pandemie gegründeten Damenabteilung des RFCU La Calamine. Nach dem Aufbau und der Etablierung mehrerer Mannschaften folgte im Juli 2024 der sportliche Tapetenwechsel. „Nachdem man mir in Kelmis mitgeteilt hatte, dass die sportlichen Möglichkeiten ausgereizt sind, habe ich mich dazu entschlossen, mich dem Projekt der KAS Eupen anzuschließen.“

Dort traf sie bei ihrer Ankunft als Jugendtrainerin der Panda Women auf eine noch recht überschaubare Anzahl an Spielerinnen, aus der mittlerweile eine U13- und eine U17-Mannschaft hervorgegangen sind.

Anfangs kümmerte sich Anne – wie zuvor in der Göhlgemeinde – vor allem um die Jugendförderung, eine Aufgabe, die der gelernten Logopädin durchaus entgegenkommt. Im Dezember 2025 übernahm sie nach dem Ausscheiden von Jonathan van Ettro bei den Panda Women den Posten als Trainerin der zweiten Mannschaft – mit Erfolg. Die Mannschaft beendete die Saison in der 2. Provinzklasse B mit 47 Punkten aus 24 Spielen auf dem fünften Tabellenplatz. Aufgrund der bestehenden Regularien wäre ein Aufstieg in die 1. Provinzklasse ohnehin nicht möglich gewesen, da dort bereits die erste Mannschaft der Panda Women aktiv ist.

„Unser Fokus liegt ganz klar auf der Entwicklung von Spielerinnen. In der P2 können sie sich für höhere Aufgaben empfehlen.“ Einige Spielerinnen haben das bereits geschafft – ein Zeichen dafür, dass die Arbeit von Anne Krickel und ihrem Trainerteam Früchte trägt. Dabei gilt die zweite Mannschaft nicht nur als Ausbildungsstätte, sondern – ähnlich wie im Herrenbereich – auch als gute Möglichkeit für den Wiedereinstieg nach einer Verletzung oder zum Sammeln von Spielpraxis und Selbstvertrauen nach einer Pause oder einem Formtief.

Trotz des Leistungsunterschieds zwischen beiden Teams helfen mittlerweile Spielerinnen aus der P2 regelmäßig in der P1 aus. Umgekehrt kann Anne Krickel auch auf Spielerinnen aus der P1 zurückgreifen, allerdings auf maximal drei pro Spieltag.

Den großen Wunsch, in den nächsten Jahren Teil einer der beiden Mannschaften zu werden, teilen viele Spielerinnen aus der U13. Das große Interesse, bereits früh mit dem Fußball zu beginnen, überraschte die Verantwortlichen am Kehrweg trotz aller Erwartungen dann doch. Für Anne Krickel liegen die Gründe dafür auf der Hand:

„Wir haben bei der Gründung das feste Ziel ausgegeben, dass jedes Mädchen unseren Sport dort ausüben soll, wo es sich am wohlsten fühlt. Manche fühlen sich im Umfeld von Jungen sehr wohl, aber mit Beginn der Pubertät kann sich das ändern. Da können Jungen den Mädchen gegenüber auch schnell einmal unangenehm werden.“ Das weiß sie aus eigener Erfahrung. In dieser Phase sollen die Mädchen ihre Leidenschaft für den Fußball nicht verlieren, daher entschied man sich, eine Alternative anzubieten. Diese bestand bis vor Kurzem auch an ihrer früheren Wirkungsstätte in Kelmis, wurde dort inzwischen jedoch eingestellt. Somit ist man am Kehrweg der einzige Verein der DG, der Mädchen in jungen Jahren eine fußballerische Heimat bietet.

„Ich durfte in meiner Schulzeit immer mit den Jungs Fußball spielen, weil ich mich von Anfang an durchgesetzt habe. Wenn Mädchen später, etwa im Alter von elf Jahren, dazukamen, wurde das nicht immer gut aufgenommen.“ Die Duelle auf den Schulhöfen der Region schadeten dem weiteren Karriereweg von Anne Krickel jedenfalls nicht. Beinahe hätte ihr Weg mit Sint-Truiden in die BeNe-Liga geführt – eine Liga, in der damals die jeweils acht stärksten Mannschaften aus Belgien und den Niederlanden gegeneinander antraten. Kurz vor Saisonbeginn platzte das Projekt, und es ging zurück zu den „Rouches“ von Standard Lüttich.

So groß der Name des Vereins auch klingen mag – die Gehälter waren es nicht. Zehn Euro gab es für jeden gewonnenen Punkt. Wie groß das Gefälle zwischen Deutschland und Belgien war, verdeutlicht Anne Krickel anhand eines Länderspiels, das inzwischen fast 20 Jahre zurückliegt: „Die deutsche Nationalmannschaft kam gerade aus einem einwöchigen Trainingslager, während die Belgierinnen bei ihrem Arbeitgeber Urlaub beantragen mussten.“

Mittlerweile haben sich die Zeiten geändert. Der RSC Anderlecht, OH Leuven und weitere Vereine investieren verstärkt in die Förderung des Frauenfußballs. Verständnis dafür hat jedoch nicht jeder. So äußerten sich unlängst ehemalige deutsche Nationalspieler, die ihre Rolle heute eher in Reality-Shows als in Führungspositionen ambitionierter Fußballvereine suchen, kritisch über die Qualität des Frauenfußballs.

Dazu sagt Anne Krickel: „Man kann Frauen- und Männerfußball nicht miteinander vergleichen. Das muss endlich aufhören. Bei uns liegt der Fokus auf der Taktik, bei den Männern eher auf der Körperlichkeit.“

Das zeigt sich auch im Trainingsalltag. Bereits bei den U13- und U17-Mädchenmannschaften wird auf klare Grundlagen geachtet. Ein auf die KAS Eupen abgestimmtes Spielsystem soll den Spielerinnen frühzeitig vermittelt werden.

Dass dies nicht auf Anhieb gelingen kann, ist allen bewusst. Umso wichtiger ist es, dass die Spielerinnen in schwierigen Situationen nicht den Mut verlieren. Daher hat es sich Anne Krickel zur Aufgabe gemacht, insbesondere den jungen Spielerinnen Mut zuzusprechen: „Fußball ist ein Fehlersport. Sowohl auf als auch neben dem Platz kann man aus Fehlern lernen – wichtig ist, nicht aufzugeben.“

Nicht aufgegeben hat Anne Krickel auch ihre Hoffnung auf eine bessere und fairere Zukunft für ihre Spielerinnen. Vergleiche mit dem Männerfußball sollen im Idealfall der Vergangenheit angehören, und auch eine angemessene Bezahlung wäre für die Zukunft wünschenswert.

Die ersten Schritte in die gute Richtung sind bereits getan – auch bei den Panda Women. Das zeigen nicht zuletzt die zufriedenen Gesichter der Spielerinnen nach jedem Spiel und jeder Trainingseinheit.

Text: Philippe Niessen