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SOCCER CPL D32 CLUB NXT VS EUPEN

Rune Paeshuyse über die Saison 2025-26: „Eine grosse Enttäuschung aber auch viele Pluspunkte“

Bevor es Anfang Mai in die Sommerpause geht absolvieren die Profis der KAS Eupen in dieser Woche die letzten Trainingseinheiten dieser Saison . Die Stimmung ist gut, doch der Ärger über die verpasste Teilnahme an den Play-offs ist noch immer nicht verflogen. Auch nicht bei Rune Paeshuyse, dem Mannschaftskapitän der Pandas. Im Gespräch mit dem 24-jährigen Innenverteidiger haben wir die Saison 2025-2026 noch einmal Revue passieren lassen. In seiner gewohnt ruhigen und besonnenen Art spricht er über die letzten 10 Monate am Kehrweg, seine Enttäuschung über den siebten Platz, aber auch viele Pluspunkte. Dazu zählen die 12 Spiele ohne Gegentor, starke Neulinge im Team, die Moral der Mannschaft, die sich noch einmal zurück gekämpft hat ganz nah an die Top 6 und die Unterstützung der Fans. Und natürlich auch das unvergessene Tor in der 95. Minute zum 3:3 gegen Beerschot. Das erste Tor von Rune Paeshuyse in 122 Spielen für seine KAS Eupen!

Eupen's players react after losing a soccer game between RFC Liege and KAS Eupen, Friday 17 April 2026 in Liege, on day 34 of the 2025-2026 'Challenger Pro League' 1B second division of the Belgian championship. BELGA PHOTO JOHN THYS

Blicken wir zunächst auf die nackten Zahlen: Mit 47 Punkten landet die KAS Eupen in der Abschlusstabelle der Challenger Pro League auf dem siebten Platz, mit vier Punkten Rückstand auf den angestrebten Platz in den Top 6. Bei 32 Spielen gab es 12 Siege, 9 Niederlagen und 11 Unentschieden sowie ein Torverhältnis von 44:36. Wie beurteilst du dieses Ergebnis?

Da fallen sofort die 11 Unentschieden ins Auge. Das macht den großen Unterschied zu allen Clubs aus, die vor uns in der Tabelle stehen. Da haben wir zu viele Punkte verloren und letztlich auch die Play-offs verspielt. So komisch das auch klingen mag, es wäre besser gewesen von drei Spielen eines zu verlieren und zweimal zu gewinnen, als dreimal Unentschieden zu spielen. Unter dem Strich muss man auch sagen, dass wir auf dem Weg zu unserem Saisonziel zu oft dummem Punkte abgegeben haben.

Wie beim 2:3 in Lommel oder auch den 2:2-Spielen gegen RWDM, wo wir unsere Führung nicht ins Ziel bringen konnten. Deshalb glaube ich auch, dass wir die Play-offs nicht an den letzten Spieltagen, sondern im Laufe der Saison verspielt haben.

Schauen wir auf die Pluspunkte der Bilanz, dazu gehört sicher die Entwicklung der Mannschaft. Wie hast du Fortschritte des Teams erlebt? 

Im Vergleich zum Jahr davor haben wir sehr große Fortschritte gemacht, sowohl, was die Qualität unseres Spiels angeht, als auch den Zusammenhalt der Mannschaft. Wir sind praktisch bei null gestartet, mit einem neuen Trainerstaff, neuen Ideen und vielen neuen Spielern, die nicht alle vom ersten Training an dabei waren. Das war zu Beginn nicht einfach, weil jeder sich umstellen musste. Aber wir haben uns das Schritt für Schritt erarbeitet und haben es am Ende gut umgesetzt und verinnerlicht. Wobei es nicht bei allen Spielen und allen Gegnern gleichgut funktioniert hat. Die Kontinuität haben wir leider nicht immer hinbekommen.

Du hast gesagt, dass ihr bei null gestartet seid. In der Skala von null bis zehn, wo war das Team am Ende der Saison? Bei acht, neun oder zehn? 

Nein, nicht bei 10, da hätten wir um den Meistertitel gespielt. Ich sehe uns da eher bei sieben bis acht. Wir haben also noch Luft nach oben.

Auch mental hat das Team Stärke bewiesen, denn die Mannschaft hat bis zum Ende an ihr Saisonziel geglaubt, auch wenn das zwischenzeitlich in weite Ferne gerückt war.

Richtig. Bis zur Winterpause waren wir eigentlich im Soll und waren potentielle Teilnehmer an den Play-offs. Doch dann kamen der Januar und der Februar, wo wir zu viele Punkte abgegeben haben und schon acht oder zehn Punkte Rückstand auf die Play-off Plätze hatten. Da hatten die meisten uns schon abgeschrieben. Doch wir haben auch nach Rückschlägen wie beispielsweise dem Spiel in Lommel, wo wir mit 2:0 geführt haben und durch zwei Tore in der Nachspielzeit mit 2:3 verloren haben, weiter an uns geglaubt und haben uns ja auch wieder herangekämpft. Weil wir Charakter und Qualität bewiesen haben. Aufgeben war für uns keine Option.

Zu den positiven Aspekten der letzten Saison gehören sicherlich 12 Spiele, bei denen die KAS Eupen kein Gegentor kassiert hat. 12 Clean Sheets, wie hat die Mannschaft sich das erarbeitet?

Dazu hat jeder seinen Teil beigetragen, sowohl unser neuer Coach, als auch der gesamte Staff und alle Spieler auf dem Platz, allen voran natürlich unser neuer Torwart Marco Hiller, der uns oft im Spiel gehalten hat und uns viele Punkte gerettet hat. Diese Spiele ohne Gegentor sind eine wichtige Voraussetzung, um erfolgreich zu sein. Schade, dass es uns nicht dazu verholfen hat, die Play-offs zu erreichen, denn aufgrund unserer guten Resultate gegen die Top-Teams unserer Liga hätten wir da meiner Meinung nach eine gute Chance gehabt.

Defensiv hat die KAS Eupen sehr sicher gestanden, in der Offensivbewegung hat die Mannschaft sich schwerer getan und aus viel Ballbesitz nur wenig Torchancen und Tore kreiert. Woran hat das gelegen?

Das war in der Tat ein Knackpunkt ist, und bleibt unsere größte Baustelle. Wir haben den letzten Ball oft nicht an den Mann bringen können und haben da zu oft die falsche Entscheidung getroffen, um echte Torchancen herauszuspielen oder mehr Tore zu erzielen. Symptomatisch war da auch die erste Hälfte bei unserem letzten Spiel in Lüttich, wo wir aus interessanten Konstellationen mit 3 gegen 2 oder 4 gegen 3 jeweils zu unseren Gunsten nichts gemacht haben, weil war da nicht gut gespielt oder entschieden haben. Das wird dann auch sicher der Punkt sein, an dem wir in der kommenden Saison weiter arbeiten müssen.

Du hast Marco Hiller als starken Torwart angesprochen, er sorgte in dieser Saison für die meisten positiven Schlagzeilen und Kommentare, gemeinsam mit Mark Müller. Ist das aus deiner Sicht berechtigt?

Ja, absolut. Ich finde schon, dass alle Spieler auch individuell gute Leistungen gezeigt haben, aber Marco als Torwart war schon eine enorme Verstärkung und Mark hat unserem Spiel nach vorne mit seiner Laufstärke und sieben oder acht Assits schon viel Dynamik verliehen.

Auch deine persönliche Bilanz kann sich sehen lassen, als einziger Spieler hast du bei jeder der 32 Begegnungen in der Startelf gestanden und gegen Beerschot ist ausgerechnet dir als Verteidiger der Treffer zum 3:3 gelungen. War dieser Moment das Highlight deiner Saison?

Natürlich. In der 95. Minute dieses Tor zu erzielen und damit einen damals noch wichtigen Punkt zu retten, das war schon sehr speziell. Ein schöner Augenblick für mich. Erst recht, wo ich seit 2022 für die KAS Eupen schon 112 Spiele bestritten habe und dies mein erster Treffer für die Pandas war.

Welches waren deiner Meinung nach für die KAS Eupen die drei besten Spiele dieser Saison?

Unser bestes Spiel war für mich das 1:0 hier am Kehrweg gegen Kortrijk, an zweiter Stelle folgt für mich das 3:3 gegen Beerschot und an dritter Stelle steht für mich der 1:0-Sieg auswärts bei Patro Eisden.

Und die drei schlechtesten AS-Spiele dieser Saison?

Unser schwächstes Spiel war für mich das 0:2 Ende Januar bei Jong Genk, dann die fünf letzten Minuten bei der 2:3-Niederlage in Lommel sowie unser Heimspiel gegen Charleroi, das 2:2 endete.

Wie war die Unterstützung der Fans?

Die Unterstützung durch die Fans war nicht immer gleich gut und ich verstehe schon sehr gut, dass sie zwischenzeitlich enttäuscht waren von ihrer AS. Doch gerade am Ende der Saison haben sie uns fantastisch unterstützt, wenn ich an das Spiel gegen Beerschot oder auch die letzte Ausfahrt nach Lüttich denke. Da haben sie uns mit fünf Bussen begleitet und haben uns mit Applaus verabschiedet. Und das obwohl wir das Spiel mit 1:2 verloren haben und die Play-offs letztlich verpasst haben. Das hat schon gutgetan und diese gute Erinnerung nehmen wir jetzt auch mit in die Sommerpause. Umso ärgerlicher, dass wir uns und unsere Fans nicht mit den Spielen um die Endrunde belohnen konnten.