Der Erfahrungsschatz der 36-Jährigen ist reich, blickt sie doch auf eine lange Spielerkarriere zurück. Belgische Meisterin im Hallenfußball und Stationen bei Teutonia Weiden, RFC Lüttich, Fléron und dem FC Eupen qualifizieren sie als Trainerin der ersten Mannschaft.
Der vorherrschende Wandel im Frauenfußball, der inzwischen regelmäßig für neue Zuschauerrekorde sorgt, machte auch vor der AS Eupen nicht halt und sorgte im Sommer 2023 für die Gründung der „Panda Women“. Auf Initiative von Johannes Queck und Jessica Loo gründete man die erste Frauenmannschaft des Vereins und stieß damit auf einen enormen Zuspruch. “Das wir genügend Spielerinnen für zumindest eine Mannschaft finden, war uns eigentlich relativ klar.“
Keine sechs Monate später folgte eine zweite Mannschaft. „Wir haben relativ früh gemerkt, dass die Spielerinnen viel Ehrgeiz mitbringen und lernen wollen, daher haben wir uns auch das Ziel gesetzt, mit einer Mannschaft aufsteigen zu wollen.“
Gesagt, getan. In der vergangenen Saison gelang auf beeindruckende Art und Weise der Aufstieg in die 1.Provinzklasse.16 Siege aus 16 Spielen, 139 Tore. Der Konkurrenz war man schnell enteilt. Auch in dieser Spielzeit läuft es gut. Auf Platz 4 geht es in die Winterpause, man ist in Schlagdistanz zum Tabellenführer und auf dem besten Wege die Erwartungen – wieder mal – zu übertreffen.
Die Gründe für die bisherige Erfolgsgeschichte sind vielschichtig, als ein wichtiger Indikator dient sicherlich das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der Mannschaft, aber auch das entgegengebrachte Vertrauen innerhalb des Klubs. „Wir sind Johannes Queck und allen anderen Verantwortlichen unfassbar dankbar, dass man uns den Rücken freihält und uns als wichtigen Teil des Vereins ansieht und unsere Arbeit wertschätzt.“
Trikots, Trainingsplätze, Fitnessräume und Kabinen werden vom Verein zur Verfügung gestellt.
Dass dies kein Selbstverständnis ist, weiß Farrah Meyer nur allzu gut. „Als ich vor zehn Jahren mein Interesse bekundete, hier eine Abteilung Frauenfußball zu gründen, wurde dies noch abgelehnt, es fehlten die Kapazitäten.“
Seitdem hat sich eine Menge gewandelt. Nicht nur bei der KAS Eupen. 14,2 Mio. Menschen verfolgten im vergangenen Sommer in der ARD das EM-Halbfinale der Frauen zwischen Deutschland und Spanien, keine andere TV-Ausstrahlung lockte 2025 mehr Zuschauer vor die Bildschirme.
70 Jahre nachdem im benachbarten Deutschland der Frauenfußball vom DFB aus fadenscheinigen Gründen verboten wurde, durchläuft er gerade seine Blütezeit. Unlängst konnte das Nachbarland die Ausschreibung der EM 2029 für sich entscheiden.
Knapp 80 Frauen und Mädchen, im Alter von 11 bis 38 Jahren bietet der Verein eine sportliche Heimat. Seit Saisonbeginn gibt es auch zwei Jugendmannschaften. Auch dies ist und war der Trainerin ein wichtiges Anliegen. „Wenn du keine eigene Jugendmannschaft im Verein hast, brauchst du eigentlich gar keine Frauenmannschaft zu gründen.“, sagt die ehemalige Stürmerin. Die Jugend sei die Zukunft des Vereins und einer jeden Mannschaft. Zu schnell kann dies auseinanderbrechen. Studium, Beruf oder Familienplanung, häufig sind die Karrieren der Spielerinnen auf wenige Jahre begrenzt, dann braucht es Ersatz.
Allem Wandel zum Trotz, das große Geld lässt sich selbst auf nationaler Ebene nicht verdienen, meist sind die Profi-Spielerinnen andernorts noch halbtags beschäftigt, Amateurspielerinnen sogar Vollzeit, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. So ergeht es auch Farrah Meyer und ihren Spielerinnen. Ihr Wirken als Trainerin ist ehrenamtlich, rein aus Liebe zum Fußball. Ihrer ehemaligen Mitspielerin beim FC Eupen, Kathy Hendrich, ergeht es da anders. Die deutsche Nationalspielerin, derzeit in den USA bei den Chicago Red Stars unter Vertrag, gehört zu der Riege Spielerinnen, die ihr Geld allein durch Fußball verdienen können, auch wenn man noch lange nicht von dem ersehnten „Equal pay“ sprechen kann.
Dass dieser Wunsch eines Tages in Erfüllung geht, scheint auch aus Sicht der Trainerin unrealistisch, schließlich ist es der Herrenbereich in diesem das ganz große Geld fließt. „Frauen leisten jedoch genau denselben Trainingsaufwand wie die Männer, da wäre es schon wünschenswert, wenn man von dem Gehalt gut leben könnte.“
Die Schere zwischen dem Herren – und Frauenfußball ist bei Weitem nicht mehr so groß wie noch vor einem Jahrzehnt. Für Naomi Girma und Olivia Smith wurden unlängst Millionenablösen gezahlt und auch im Hinblick auf die Ausbildung der Spielerinnen durchlief der Frauenfußball eine echte Zeitenwende. „Heutzutage ist es bedeutend schwieriger als damals, bei einem großen Verein wie Standard Lüttich eine echte Chance zu bekommen. Das war damals deutlich einfacher.“ Entspricht man nicht den Anforderungen der großen Vereine und beeindruckt durch überdurchschnittliche Körperlichkeit und Technik, fällt man schnell durch das Raster.
Ohne Ehrgeiz, da ist sich Farrah Meyer sicher, ging es aber auch damals nicht. Diesen spürt sie bei jedem Training auch bei ihren Spielerinnen. Dies sind beste Voraussetzungen, um es in diesem Sommer dem Hamburger SV gleichzutun und einen Doppelaufstieg zu feiern.
Text und Interview: Philipp Niessen