Offener Brief an unsere Fans

Liebe Fans,

das BRF hat am vergangenen Freitag einen Bericht mit der Überschrift „Kann das AS-Projekt eine Seele bekommen“ ein paar Fakten nicht richtig oder unvollständig wiedergegeben. Wir denken, es ist wichtig, dass wir Euch dazu ein paar Informationen geben.

Die Zuschauerzahlen sind nicht im „Sinkflug“ und dies beruht, wie der BRF behauptet, nicht überwiegend auf einer mangelnden Identifikation mit dem Club. Es sind letzte Saison im Durchschnitt rund 300 Zuschauer in der Meisterschaftsrunde weniger gekommen als in der vorherigen Saison. In der Liga ist allgemein ein Rückgang der Zuschauer bei allen Clubs zur Vorsaison um 9,8 % zu verzeichnen. Damit liegen wir im Ligadurchschnitt. Diese Entwicklung lässt sich auch daran festmachen, dass weniger Gästefans mit nach Eupen gekommen sind. Dass die Schlussfolgerung des BRF nicht stimmt, sieht man nicht zuletzt auch an dem Fakt, dass sich diese Saison zwei neue Fanclubs der KAS Eupen gegründet haben. Also muss man sogar feststellen, dass die Unterstützung des Clubs wächst. Übrigens: Vor 12 Jahren hatte der Club eine Zuschauerzahl von 834 Zuschauern im Durchschnitt, aktuell sind es über 3.000 im Durchschnitt. Aber es ist richtig, dass wir die Zuschauerzahl weiter steigern wollen. Dafür werden wir in der neuen Saison einiges tun und hoffen, dass es Euch gefällt.

In der Fußballwelt (was ist das eigentlich?) wird der Club nicht allgemein als Projekt betrachtet. Das Projekt hat sich in einen ganz normalen Club verwandelt mit allen Vor- und Nachteilen, die daraus resultieren.

Weder Henrik van Crombrugge noch Luis Garcia haben dem Club „den Rücken gekehrt“. Henrik van Crombrugge hat in den letzten beiden Jahren gute Angebote ausgeschlagen, um in Eupen zu bleiben. Er hat noch einen Vertrag für die nächste Saison. Er ist sich der guten Ausbildung in Eupen in den vergangenen Jahren bewusst und dass er sich hier bei uns zu einem der besten belgischen Torhüter entwickelt hat. Luis Garcia hat seine aktive Karriere in Europa mit 38 Jahren beendet. Gerade er als 7maliger Nationalspieler war sich nie zu schade, hier bei uns auch in der 2. Liga zu spielen. Das ist sicher selten im Fußball. Ausdrücklich hat er betont, dass er uns nun verlässt, weil er glaubt, dass wir nun eine gute und gesicherte Situation in der 1. Liga haben und er uns immer freundschaftlich verbunden bleiben wird.

Der Club ist nicht „flügellahm“, sondern ist seit 3 Jahren in der 1. Liga und geht nun in die vierte Saison. Ein Erfolg auf den wir stolz sind. Und wir sind auch auf den einen Punkt stolz, den wir mehr errungen haben als zuvor, weil dies harte Arbeit ist und war. Wir sind auch nicht respektlos gegenüber unseren Gegnern und den Clubs in der Liga 1a und 1b, von denen die Meisten mit einem höheren Budget ausgestattet sind als wir. Im Sport ist ein Punkt viel, Genk wurde mit nur 2 Punkten Vorsprung Meister und der Hamburger SV weiß was es bedeutet, wenn genau ein Punkt zum Aufstieg fehlt, manchmal entscheidet sogar nur eine 10tel Sekunde über Olympiasieg oder Platz 4.

Wir haben in den letzten Jahren über 3 Millionen Euro in die Infrastruktur investiert. Und das haben wir gemacht, obwohl bis vor kurzem noch die Stadt Eupen für die Infrastruktur am Kehrweg zuständig war. Im Sommer werden wir einen neuen Kunstrasenplatz für fast 500.000 EUR bauen, um die Bedingungen auch für unsere Jugendspieler weiter zu verbessern. Für unsere Fans haben wir den gewünschten Tribünentausch umgesetzt. Bei Beträgen von über 3 Millionen Euro überrascht es uns, wenn man behauptet, dass sich in den letzten 7 Jahren am Kehrweg „wenig getan hat“ und man nur „kleine kosmetische Korrekturen“ feststellt. Allein richtig ist, dass wir noch daran arbeiten, einen Neubau für die Jugend zu realisieren. Diesen hätten wir gerne schon gebaut. Wir versuchen alles, um die Gesamtkosten von über 2 Millionen Euro zu stemmen.

Der Kader ist nicht eine „Großbaustelle“, sondern es ist harte Arbeit jedes Jahr einen wettbewerbsfähigen Kader, eine gute Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern, zusammenzustellen und Euch im Kehrwegstadion präsentieren zu können. Aktuell haben wir 20 Spieler für die neue Saison unter Vertrag. Wie bei allen Clubs wollen die besten Spieler eine größere Herausforderung suchen. Und wenn Moussa Wague am Samstag mit Barcelona auf dem Platz die spanische Meisterschaft feiert oder wenn Henry Onyekuru das entscheidende Tor für Galatasarey Istanbul zur Meisterschaft schießt, dann haben wir sie bei uns schon spielen sehen. Wir benötigen Spieler in Eupen, die hier ihren nächsten Schritt in ihrer Karriere machen wollen und sich voll und ganz mit dem Club identifizieren können.

Liebe Fans, wir werden weiterhin mit Kontinuität und realistischen Einschätzungen den Verein weiterbringen. Der Club hat sich sportlich in den letzten Jahren nahezu jedes Jahr in der Tabelle verbessert und wir werden alles daran setzen, uns wieder zu verbessern – auf allen Ebenen. Aber wir versichern Euch, dass wir den Respekt vor der Leistung der anderen Clubs behalten. Diesen Respekt benötigen wir, um die richtigen Entscheidungen im Sinne des Clubs zu treffen. Natürlich sind wir der kleinste Club aller Profivereine in Belgien und es ist schwer uns zu behaupten, aber wir werden mit unseren Mitteln und Eurer Unterstützung alles dafür tun, dass der Traum 1. Liga weiter geht und wir aufs Neue die Großen ärgern können.

In diesem Sinne wünschen wir Euch eine schöne Pause und freuen uns auf die neue Saison!

Euer

Thomas Herbert