Ein Durchmarsch von den U6 zu den Profis der KAS Eupen

In der sportlichen Laufbahn von Marciano Aziz waren die letzten zwölf Monate eine aufregende Zeit. Mit einem Profi-Vertrag bis 2022 bei der KAS Eupen, vielen Trainingseinheiten mit dem A-Kader und den ersten Spielminuten in der Pro League wurde der Traum des 19-jährigen Eupeners Wirklichkeit. 

Doch angekommen fühlt Marciano Aziz sich noch nicht. „Ich werde weiter hart arbeiten, um mich für weitere Einsätze im Trikot der KAS Eupen zu empfehlen“, sagt Marciano Aziz im Interview mit dem AS-Journal. 

Geradlinier als bei Marciano Aziz kann eine sportliche Entwicklung kaum verlaufen. Als 5-jähriger wurde er zum ersten Training in der Jugendabteilung der KAS Eupen vorstellig und hat alle Etappen bis zu den U21 ohne Rückschläge gemeistert. Die komplette Vorbereitung auf die laufende Saison hat Marciano mit den Profis bestritten und wurde mehrfach in das 18er Aufgebot des A-Teams berufen. Nach einer kurzen Rückkehr ins Team der U21 absolviert Marciano Aziz seine Trainingseinheiten seit Dezember 2020 wieder mit den Profis der KAS Eupen und stand für das Spiel beim KV Mechelen im 18er-Aufgebot. So hat Marciano Aziz seinen Fuß in die Türe zur ersten Mannschaft gesetzt. 

Die Entwicklung von Marciano Aziz ist für die Jugendabteilung und die U21 der KAS Eupen ein großer Erfolg und der Beweis dafür, dass bei entsprechendem Talent und mit viel Einsatz aller Beteiligten der Weg eines Nachwuchsspielers bis hin zur Profiabteilung führen kann. 

 INTERVIEW 

Stammst du aus einer Fußball-begeisterten Familie?

Ja, das kann man so sagen. Mein Vater hat als Jugendlicher Fußball gespielt und mein Stiefvater ist ein Fan von Real Madrid, häufig schauen wir uns gemeinsam Spiele an, wobei ich keiner bin, der sich alle Spiele im TV anschaut. Auch meine Mutter hat mich immer unterstützt und mich zum Training und zu den Spielen begleitet.

Wann bist du bei AS Eupen eingestiegen und zu welchem Zeitpunkt hast du gespürt, ich habe Talent?

Im Alter von 5 Jahren habe ich angefangen, bei der KAS Eupen Fußball zu spielen. Schon die ersten Trainer haben mich mit den jeweils älteren Jahrgängen spielen lassen, was ja ein Zeichen dafür war, dass ich offenbar Talent hatte.

In einem Proficlub trainieren auch die Jugendlichen bis zu 5 Mal pro Woche, hinzu kommen Spiele + Turniere und die Schule. Wie hart war das, und hast du dich da oft überwinden müssen?

Ich habe jederzeit gerne Fußball gespielt, und weder die Eltern noch die Trainer mussten mich antreiben, zum Training zu gehen. Organisatorisch war es nicht immer einfach, Schule und das heftige Sportprogramm zu verbinden, aber da ist mir meine Schule, die Pater Damian Schule Eupen, entgegen gekommen und hat mir die Möglichkeit gegeben meine sportliche Entwicklung und das Schulprogramm zu kombinieren.

Die großen Clubs sind stets auf der Suche der größten Talente und lassen durch ihre Scouts auch die Trainingseinheiten und Spiele der Kinder und Jugendlichen beobachten. Hattest du als Jugendlicher auch Angebote anderer Clubs?

Schon sehr früh bin ich angesprochen worden von Standard Lüttich, zumal ich mit Damjan Pavlovic zusammen spielte und sie wollten uns beide haben. Am Ende ist Damjan zu Standard gegangen und ich bin bei der KAS Eupen geblieben, sicherlich auch, weil das mit dem vielen Training leichter zu organisieren war und meine Mutter großen Wert darauf legte, dass ich meine Schulausbildung abschließe.

Wie würdest du die Ausbildung bei der KAS Eupen beschreiben?

Die Jugendarbeit bei der KAS Eupen war immer schon sehr gut, allerdings wurden nach und nach enorme Anstrengungen unternommen und die Jugendarbeit hat sich in den letzten Jahren noch einmal deutlich verbessert. Schon in den Jugendklassen liegt der Schwerpunkt des Trainings und des Spielsystems beim Ballbesitz. Das hat mir gut gefallen und war letztlich ausschlaggebend dafür, dass ich immer bei der KAS Eupen geblieben bin. Jetzt bin ich bei den Profis und auch dort spielt Ballbesitz eine große Rolle, insofern ist der Übergang nahtlos und ohne Probleme erfolgt.

Rückblickend: Wie viel Prozent Talent und wie viel Prozent Arbeit braucht es, um ein guter Fußballspieler zu werden?

In Prozenten lässt sich das nicht ausdrücken. Es ist wohl so, dass die Arbeit eine deutlich größere Rolle spielt als Talent. Talent sollte man haben, aber wenn man nicht hart arbeitet, bringt einen das Talent nicht weiter.

Hast du Immer auf der Position des offensiven Mittelfeldspielers gespielt?

Ganz zu Beginn war ich Stürmer. Dann bei U13/U14 wurde ich als 10er eingesetzt und das bin ich dann auch geblieben. Da war es für mich natürlich interessant, dass ich bei der U21 mit Luis Garcia zusammenarbeiten durfte. Luis war ja eine Zeitlang Co-Trainer und hat mir viele wichtige Tipps geben können.

Du hast in dieser Saison zwischenzeitlich auch mit der U21-Mannschaft trainiert und bist aktuell wieder bei den Profis im Training. Du hast also gute Möglichkeiten des Vergleichs. Was kannst du von Profis noch lernen?

Die Profis, die Woche für Woche für die KAS Eupen spielen, haben mehr Erfahrung als ich und sind auch technisch ausgereifter. Sie machen bei Ballbesitz und Balleroberung weniger Fehler. In diesen Punkten möchte ich mich noch verbessern, und dafür arbeite ich Tag für Tag bei jedem Training.

Was ist das Ziel deiner sportlichen Laufbahn?

Aktuell trainiere ich mit den Profis und ich hatte beim Heimspiel gegen Club Brügge ja auch meine ersten Einsatzminuten. Für mich als Eupener ist der Traum in Erfüllung gegangen, mit dem Club, in dem ich schon als 5-Jähriger gespielt habe, meinen ersten Einsatz in der Pro League zu haben. Das hat Lust auf mehr gemacht und jetzt arbeite ich hart, um mehr Einsatzminuten zu bekommen und weitere Spiele mit der KAS Eupen bestreiten zu können.

Steckbrief

Name: Marciano Aziz
Nationalität: Belgier
Geboren in: Eupen
Alter: 19
Größe: 178
Gewicht: 72
Position: Offensives Mittelfeld
Vertrag bei KAS Eupen bis: 30. Juni 2023
Lieblingsclub: Tottennham Hotspur
Lieblingsspieler : Luka Modric

Das Interview mit Marciano ist ein Auszug aus dem neuen AS Journal digital.  Abonnieren kann man sich bereits jetzt für die kommende Ausgabe über den folgenden Link: https://www.as-eupen.be/as-journal/