„Den letzten Tag bei der KAS Eupen genießen“

Am Samstag wird sich Luis Garcia von der KAS Eupen verabschieden. Beim Heimspiel gegen Sint-Truiden VV wird der Kapitän zum letzten Mal das KAS-Trikot mit der Nummer 10 tragen. Während 5 Jahren hat Luis Garcia die KAS Eupen geprägt als Persönlichkeit auf und neben dem Platz. Luis Garcia hat die KAS Eupen in die 1. Division geführt und dazu beigetragen, dass der Club in diesem Sommer zum vierten Mal in Folge in der Jupiler Pro League an den Start gehen kann. In einem Gespräch blickt der Kapitän zurück auf seine Zeit bei der KAS Eupen.

Kannst du dich noch an deinen ersten Tag in Eupen erinnern? Welches waren deine Eindrücke?

Sehr gut kann ich mich an meinen ersten Tag in Eupen erinnern. Es war ein sonniger Tag im Juli 2014 und ich habe mich im Stadion mit Tintin Marquez getroffen. Der damalige Trainer der KAS Eupen ist mein Freund, und hatte mich für das Eupener Fußballprojekt begeistert. Zunächst habe ich mir das Training angeschaut und nachher hat Tintin mir den Club und die Stadt gezeigt. Meine Eindrücke waren sehr positiv, Eupen ist eine schöne kleine Stadt und der Club war familiär, beides war mir auf Anhieb sympathisch.

Du hast 5 komplette Jahre für den Club gespielt und für die KAS Eupen 181 Spiele bestritten, wie hat der Verein sich in dieser Zeit entwickelt? 

Oh, der Club hat sich in diesen 5 Jahren schon stark verändert und verbessert. Als ich hier ankam, spielten wir in der 2. Liga und das Ziel war, in die 1. Liga aufzusteigen. Das haben wir im ersten Jahr nicht geschafft, aber nach meiner zweiten Saison hier in Eupen dann doch. Das war ein sehr wichtiger Schritt, nicht nur für die KAS Eupen, sondern auch für die Stadt und die ganze Region. Das ist ein großer sportlicher aber auch wirtschaftlicher Erfolg. Wenn wir jetzt zum vierten Mal in Folge in der 1. Division an den Start gehen, dann ist dies ein Beweis dafür, dass die KAS Eupen sich kontinuierlich weiterentwickelt hat und der Club stabil aufgestellt ist. Dazu gehört auch, dass die Mitarbeiter, von denen die meisten ja schon einige Jahre dabei sind, ihre Erfahrungen im Umfeld der 1. Division sammeln konnten.

Sprechen wir von deiner Zeit als Spieler der KAS Eupen, wo du bis zuletzt Top-Leistungen geboten hast, mit vielen wichtigen Toren und Vorlagen und zahlreichen Nominierungen in die Pro League Mannschaft der Woche. Dabei war das erste Jahr in Eupen in den Augen vieler Beobachter nicht dein bestes. Siehst du das auch so?

Ja, diese Einschätzung teile ich. Mit dem Wechsel von Spanien nach Belgien war für mich vieles neu und ich musste mich umstellen: Auf einen sehr physischen und weniger technischen Fußball damals in der 2. Liga, auf das Wetter, auf die Plätze und auch auf mein neues Team. Aber nach und nach habe ich mich angepasst und wieder meine Bestleitungen abrufen können.

Welchen Eindruck nimmst du mit von der ersten belgischen Division?

Hier gibt es gute Teams mit Spielern, die durchaus auch in anderen europäischen Ligen spielen könnten. Das Wichtigste ist jedoch, dass die KAS Eupen zu diesem Kreis gehört. Die Stadien sind gut und in insgesamt lässt sich in Belgien gut Fußball spielen. Bis auf das Wetter, aber das kann man nicht ändern.

Welcher Spieler der belgischen Pro League hat dich auf dem Platz am stärksten beeindruckt? 

Da möchte ich drei Spieler nennen: Alejandro Pozuelo und Ruslan Malinovskyi vom KRC Genk sowie Hans Vanaken vom FC Brügge. Und von diesen dreien ist dann Hans Vanaken derjenige, der auf mich den stärksten Eindruck hinterlassen hat.

Nach dem Abschied aus Eupen strebst du eine Karriere als Trainer an, fühlst du dich startklar für diese neue Etappe deiner Laufbahn?

Ja, ich fühle mich startklar, ich habe im letzten Jahr meine UEFA-Lizenz erworben und werde ab der kommenden Woche meine Ausbildung zum UEFA-Pro Trainer abschließen. Außerdem habe ich hier bei der KAS Eupen mit der U21-Mannschaft von Angel Cortes gearbeitet und damit auch schon erste Praxiserfahrungen sammeln können. Wichtig ist auch hier, dass man im Fußball immer alles geben muss. Aber natürlich muss ich abwarten, welche Möglichkeiten sich mir letztlich für den Start in die Trainerkarriere konkret ergeben.

Im Fußball hast du enorm viel erreicht und dir große Kompetenzen erworben. Für einen Trainer spielt sicherlich auch der psychologische Aspekt eine bedeutende Rolle, bist da auch in diesem Punkt gerüstet?

Natürlich ist das ein ganzwichtiger Aspekt der Trainerarbeit. Der Trainer muss die Mannschaft und die einzelnen Spieler führen und muss für ein Umfeld sorgen, in dem jeder sein bestes gibt. Manchmal spielt die Psychologie eine wichtigere Rolle als die Taktik. Und als Trainer muss du beides beherrschen. Ich habe den Eindruck, dass ich diese Fähigkeiten mitbringe. Das, was ich jetzt noch nicht draufhabe, das muss ich mir erarbeiten. Fakt ist, dass du als Coach vieles Unterschiedliches managen musst.

Könntest du dir vorstellen als Coach eines Tages für deine jetzigen Arbeitgeber, die KAS Eupen oder Aspire tätig zu sein?

Warum nicht? Im Fußball solltest du keine Tür zuschlagen. Ich habe mich hier in Eupen immer wohl gefühlt und ich habe jederzeit versucht, das Projekt der Aspire Academy zu unterstützen, weil das Aspire-Projekt top ist und weltweit einzigartig. Gemeinsam haben die KAS Eupen und Aspire viele Spiele erfolgreich weiterentwickelt, die afrikanischen Talente, aber auch die jungen Katarer, die jetzt sogar die Asien-Meisterschaft gewonnen haben. Ich bin stolz, zu diesem Erfolg beigetragen zu haben. Weshalb sollte man diese Zusammenarbeit nicht in der Zukunft fortsetzen?

Wenn du einem jungen Spieler einen Tipp geben müsstest, was würdest du ihm sagen?

Das wichtigste ist, aus jeder einzelnen Trainingseinheit die optimalen Nutzen zu ziehen. Die Zeit geht so schnell voran und wenn du einmal 30 bist, dann merkst du erst recht wie schnelllebig unser Sport ist. Deshalb musst du gerade als junger Spieler alles mitnehmen, was dir angeboten wird. Daher: Hört auf den Coach, denn er kennt den Fußball. Und Fußball ist zu schön, um die Zeit und die Chancen ungenutzt verstreichen zu lassen. 

Welche Eindrücke wirst du von Eupen und Umgebung in Erinnerung halten?

Vor allem die Gastfreundschaft und den Respekt, den ich hier von jedem einzelnen erfahren habe. Ich war hier sehr glücklich, weil alle Menschen mir und meiner Familie gegenüber äußerst hilfsbereit waren. Das werde ich nie vergessen.

Am Samstag ist dann so weit: Vor dem Spiel gegen Sint-Truiden wirst du zum letzten Mal die Umkleidekabine des Kehrweg-Stadions betreten. Mit welchen Gefühlen?

Ich weiß es nicht, aber es wird ein schwerer Tag für mich, das steht fest. Vieles wird mir durch den Kopf gehen. Hier habe ich viele wichtige und intensive Momente mit meiner Mannschaft, mit den Trainerteams und den Fans erlebt, die ich nie vergessen werden. Wenn du einen Verein nach 5 Jahren verlässt, dann sind schon viele Gefühle und Erinnerungen damit verbunden. Bei allem Abschiedsschmerz werde ich jedoch vor allem versuchen, diesen Tag zu genießen.

Vielen Dank Luis, für dieses Gespräch und für alles! Alles Gute dir und deiner Familie!